Chronik des Reit- und Fahrvereins Rielasingen

Chronik des Reit- und Fahrvereins Rielasingen-Worblingen e. V. und der Rielasinger Reithallen

Im Jahr 1953 wurde die damalige Reitabteilung Rielasingen gegründet, kurz danach machten sich die Mitglieder Gedanken über die Sicherung des Reitbetriebs in den Wintermonaten. Durch gute Beziehungen zum Hause ten Brink konnte ein offener Wagenschopf, der auf dem Gelände der Baumwollspinnerei und –Weberei leer stand, angemietet und in vielen Arbeitsstunden und mit beträchtlichem Aufwand zu einer Reithalle umgebaut werden. Als am 30.01.1954 die Einweihung gefeiert wurde, war man zu Recht stolz auf das gelungene Bauwerk und die erbrachte Leistung. Der Rielasinger Reitverein wurde damals um seine großartigen Reitmöglichkeiten beneidet, da die nächstgelegene Reithalle in Kostanz stand.

In der Folgezeit diente die Reithalle nicht nur den Rielasingern, sondern auch den damals schon sehr freundschaftlich verbundenen Reitern vom Kavallerieverein Ramsen (Schweiz) als Übungsstätte. Diese Möglichkeiten waren es auch, die den Rielasinger Reitern auf allen besuchten Turnieren gute Platzierungen einbrachten.

Übrigens reiste man damals nicht mit Transportern zu den Turnieren in Tuttlingen, Stockach, Konstanz usw., sondern auf dem Rücken der Pferde oder mit der Eisenbahn.

Schon bald mussten die Rielasinger Reiter aber erkennen, dass auch in ihrem Sport die Zeit nicht stehen blieb. Mit der Entwicklung des Reitsports hin zum Breitensport mit starker Betonung des Turnierreitens machte sich die Konkurrenz immer stärker bemerkbar; die Anforderungen stiegen. Turnieraufgaben wurden vereinheitlicht und Reitplätze genormt. Immer stärker wurde erkennbar, dass die Reithalle mit ihren Maßen von 10 x 20 m den Anforderungen eines modernen Trainingsbetriebs nicht mehr genügte,denn die genormten Maße eines Turnierplatzes betrugen 20 x 40 bzw. 20 x 60 m.

Man stelle sich einmal vor, eine Fußballmannschaft müsste das ganze Jahr auf einem Platz trainieren, der nur ein Viertel der Fläche des genormten Spielfeldes besäße.

Aus diesen Gründen machte man sich immer häufiger Gedanken, wie dieser unbefriedigende Zustand zu beheben sei. Im Jahr 1965 scheiterte der Plan, in Singen eine Reitanlage für die Reiter aus dem gesamten Hegau zu erstellen. 1968 plante man ernsthaft, eine leer stehende Halle der ehemaligen Bilgerbrauerei in Gottmadingen zu erwerben und zu einer Reithalle umzubauen. Auch diese Pläne fanden jedoch nicht die Zustimmung der Mitglieder. Immer häufiger kam es nun vor, dass Jugendliche, aber auch andere gute Reiter in andere Vereine abwanderten, weil sie in Rielasingen nicht die ihrer Meinung nach optimalen Voraussetzungen fanden.

Zu einer großen Zäsur kam es schließlich anfangs der 70er- Jahre. Privatleute erstellen in Radolfzell und Bohlingen großzügige Reitanlagen mit allem Komfort, und die Gründung entsprechender Reitvereine ließ nicht lange auf sich warten. Innerhalb kürzester Zeit verlor die Reitabteilung Rielasingen fast die Hälfte ihrer Mitglieder, darunter auch solche, die bisher zu den Leistungsträgern gehörten. Die folgenden Jahre waren nicht leicht für die klein gewordene Reitabteilung, und man zog vorübergehend sogar die Bildung einer Reitsportgemeinschaft mit dem Reitverein Bohlingen in Betracht.

Als im Jahr 1981 die komplette Vorstandschaft bis auf einige Beisitzer neu gewählt wurde, ergab eine nüchterne Bestandsaufnahme, dass neben einer größeren Gruppe meist langjähriger Mitglieder eine kleinere Gruppe jüngerer, aktiver Reiter, unter ihnen einige talentierte Jugendliche, vorhanden war. Man war sich damals darin einig, dass unter diesen Umständen ein Weiterbestehen des traditionsreichen Vereins möglich und wünschenswert wäre. Als Voraussetzung wurde allerdings damals schon die mittelfristige Schaffung einer neuen Reitanlage genannt, denn durch den Bau der Tennishalle und den dadurch bedingten teilweisen Wegfall des Außenreitplatzes hatten sich die Bedingungen für den Reitbetrieb weiter verschlechtert.

Da eine solche Anlage nie aus eigener Kraft allein, sondern nur mit Unterstützung der Kommune und des Verbandes erstellt werden konnte, kam es zunächst darauf an, durch vertrauensbildende Maßnahmen das angeknackste ansehen des Vereins in der Öffentlichkeit wieder herzustellen. Eine verstärkte – und erfolgreiche – Jugendarbeit sowie eine gezielte Öffentlichkeitsarbeit waren die Saat, die einmal aufgehen sollte. Daneben sorgten eine äußerst sparsame Haushaltsführung sowie erfolgsorientierte Veranstaltungen für den unerlässlichen finanziellen Grundstock.

Das Interesse am Reit- und Fahrverein wuchs, und die Mitgliederzahl stieg fast sprunghaft an. Die Zahl der Platzierungen bei Reitturnieren stieg von 28 im Jahr 1981 auf 121 im Jahr 1984. Einen besonders schönen Erfolg konnten Jugendliche des Vereins im Jahr 1985 verbuchen: anlässlich der Ringmeisterschaft des Reiterrings wurden Jutta Boll, Sabine Sauter und Thomas Grimm, Mannschaftsmeister der Junioren im Springen. Diese Erfolge blieben in der Öffentlichkeit nicht unbeachtet.

Die Erstellung einer neuen Reithalle wurde unumgänglich. Im Jahr 1984 war es dann soweit: Gemeindeverwaltung und Gemeinderat unterstützen die Planungen des Reit- und Fahrvereins durch Überlassung eines geeigneten Geländes und der Verabschiedung eines entsprechenden Bebauungsplanes. Der badische Sportbund sowie die Gemeinde sagten Zuschüsse zu, somit war die Gesamtfinanzierung gesichert. Ende Juli 1985 erfolgte der erste Spatenstich, am 11.01.1986 konnte die Reithalle in einer internen Feier dem Reitbetrieb übergeben werden.

Die Kosten der Halle beliefen sich auf rund 230.000,00 DM einschließlich Eigenleistungen, ohne Grundstück und Erschließungskosten. Es wurden von den Mitgliedern rund 3.000 Arbeitsstunden geleistet. Folgende Arbeiten wurden als Eigenleistung ausgeführt: gesamte Fundamentarbeiten (ca. 120 cbm Beton!), Ausriegelung des Hallenskeletts, anbringen der Außenverschalung einschließlich mehrfacher Behandlung mit Holzschutz, Einbau der Bande, Einbau des Hallenbodens, Einbau der Böden in den Nebenräumen, Mitarbeit bei der Elektroinstallation, anfertigen und Einbau der Türen und Tore, verlegen der Dachentwässerung, Einbau der drei Pferdeständer und die Außenanlage. Die Halle misst 24,30 x 47,95 m einschließlich Raum für Hindernisse und Zuschauer, reine Reitfläche 20 x 40 m. Sie entspricht den vorgeschriebenen Maßen und bietet damit optimale Trainingsmöglichkeiten, sodass die Zukunft reiterlicher Erfolge und der Fortbestand des Vereins bis heute gesichert ist.

Die vorbildlich ausgestattete Sportanlage wurde im April 1986 offiziell ihrer Bestimmung übergeben.